Preisleistungsmesser für Geburtstagskind

pitter

Forumsbetreiber
Teammitglied
Ist für das Gros der Nutzer uninteressant, kann nicht in die Spülmaschine und schneidet kein Gefriergut.

Ich finde die Frage von PaMo gerechtfertig. Weil - für ein Gros der Nutzer sind Küchenmesser für um die 100 EUR eh uninteressant, weil zu teuer. Ich stelle allerdings überrascht fest, dass es offenbar Jungvolk gibt - also Alter wie mein Sohnemann (22) - die sich

1. für schneidtaugliche Küchenmesser (und dafür geeignete Schärfmittel) interessieren
2. nicht auf hipstergeschwängertes Marketinggeschlonze stehen
3. eher knapp bei Kasse sind, ohne geizig zu sein und ohne "billich" zu wollen

sondern halt einfach (tm) ein Küchenmesser suchen, das über der Performance des Kaufhausportfolio liegt. Dass muss auch nicht zwingend aus Asien kommen und Kanji Zeichen tragen.

Den Aufwand, den mein Sohnemann (22) und seine Kochkumpels mit dem Schärfen treiben, hat er jedenfalls nicht von mir.

Und Stahl/Geometrie irgendwo zwischen Güde und "bricht aus beim Anhusten" ist halt ein weites Feld.

Das das so wenig der hiesigen Hersteller seriös und viel Tamtam angehen, wundert mich schon.

Zu viele Reklamationen, Geschirrspüler ... alles klar, sind Argumente. Ich glaube eher, das liegt an der "immer das Gleiche" Strategie.

Pitter
 

Bukowski

Mitglied
Das ist bestimmt auch ein Grund.

Die meisten hiesigen Hersteller lassen die Klingen ja komplett durch Schleifroboter schleifen und machen allerhöchstens noch die grobe Bandschleiferfase per Hand (bei Wüsthof z.B. geht sogar der Arbeitsschritt maschinell). Können die Dinger überhaupt "nagelgängig dünn"?

Fachkräfte ausbilden und bezahlen müsste man andernfalls halt auch wollen.
Herder hatte (und hat?) durch personalbedingte Umstände ja auch immer wieder Fertigungsengpässe, was sich negativ auf die Verfügbarkeit auswirkt.

Ist halt einfacher für's junge Publikum 'ne neue Serie mit Holzgriffen, Messingnieten und "Craft" im Titel rauszubringen, bei der man am maschinellen Herstellungsprozess nichts verändern muss.
 
Zuletzt bearbeitet:

pebe

Premium Mitglied
Da könnte man jetzt viel zu schreiben.

Hauptsächlich, dass ein Kochmesser dieser Preisrange mit kleiner Stückzahl in D produziert schon mal schwierig zu rechnen ist. Und in China hergestellt fehlt dann auch der Charme wasserangetriebener Mühlsteine.

Die Lösung ist die von Micha aka knifeaddict empfohlene Vorgehensweise. Günstiges Solinger Standard besorgen und für kleines Geld schanzen lassen. Und zwar so, wie man es gerne hätte - extreme oder light.

Bei Geburtstagsgeschenken auf den letzten Drücker funktioniert das halt net.

grüsse, pebe
 

PaMo

Mitglied
Editiert: ups war eine dumme frage, weg damit.
Anders formuliert. Das diplome hat ja 12 grad winkel ab werk. Würdet ihr den bei touch ups beibehalten oder etwas vergrößern?
 
Zuletzt bearbeitet:

Bukowski

Mitglied
Also mein Diplom hatte keine 12° pro Seite ab Werk. Diese Angaben bei K&T sind nach meiner Erfahrung mit Vorsicht zu genießen. Aber wenn, würde ich - Überraschung - auf die Fase eine Microfase mit 18-20° pro Seite draufsetzen. 24° Gesamtschneidenwinkel wäre mir zu empfindlich, insbesondere ohne Erfahrung und für einen "Allrounder".
 
Zuletzt bearbeitet:

PaMo

Mitglied
Ja das mit der microfase stand da vor meinem editieren, aber microfase und wetzen schließen sich doch irgendwie aus ?
 

Bukowski

Mitglied
Nein. Eine Microfase ist eine schmale Schneidfase, die normalerweise mit wenigen Schüben auf einem nicht zu groben Stein angeschliffen wird und größer ist, als der ursprüngliche Fasenwinkel. Die lässt sich genauso wetzen, wie jede andere Fase, wenn der Wetz-Winkel mindestens dem Fasenwinkel entspricht.
 

chamenos

Super Moderator
Moin

Ich finde die Frage von PaMo gerechtfertig.

Ich finde nicht nur die Frage, sondern auch die Kritik gerechtfertigt.

Das immer wieder empfohlene Herder Santoku ist so abgrundtief häßlich, dass es mir wirklich die Sprache verschlägt.

So etwas kommt mir nicht ins Haus.

Aber augenscheinlich brauchen sie sich ums Design nicht kümmern, da sie ja pausenlos ausverkauft sind.
Und da ihnen im Bereich dünngeschliffene Kochmesser niemand Konkurrenz machen möchte, können sie auch weiter ihre Preise auswürfeln.

Ich verstehe PaMos Frust vollkommen.

Gruß
chamenos
 

ebenezer

Mitglied
Ja, die Herder sind hässlich. Sicherlich könnten die ein vielfaches verkaufen, wenn sie modernere bzw. dem Zeitgeist mehr entsprechende Griffe dran bauen würden.
Aber einerseits fühlen sie sich glaub ich ein Stück weit der Tradition verpflichtet, wollen ein deutsches Original verkaufen und nicht irgendwas anderes imitieren, und andererseits haben sie ja keine Not etwas zu ändern so lange sie ohnehin mehr Nachfrage haben, als sie liefern können.....
Ich habe mein Herder Carbon Santoku für 30 Euro gebraucht gekauft, zufällig eines erwischt, das sehr fein ausgedünnt ist, und schneide damit obwohl mir die Klinge am hinteren Ende nicht hoch genug ist, und der Griff hässlich ist lieber als mit jedem andern Messer in meinem Besitz. Es gleitet mühelos durchs Schneidgut und der Stahl wird zwar leicht fleckig, neigt aber insgesamt relativ wenig zu chemischen Reaktionen oder Rostansatz. Erstklassig schneiden geht also preisgünstig. Erstklassig schneiden plus schöne Optik plus Damast wird dann sehr schnell kostenintensiv.......
 

güNef

Premium Mitglied
Servus,

Ich habe mein Herder Carbon Santoku für 30 Euro gebraucht gekauft, zufällig eines erwischt, das sehr fein ausgedünnt ist, und schneide damit obwohl mir die Klinge am hinteren Ende nicht hoch genug ist, und der Griff hässlich ist lieber als mit jedem andern Messer in meinem Besitz. Es gleitet mühelos durchs Schneidgut

deshalb wird ja im unteren Preissegment immer das Herder Santoku zumindest genannt und oft nur mit Vorbehalt ( Griffspalten, staubtrockenes Holz, unterschiedlich "dicker" Dünnschliff ) empfohlen. Wenn jemand sich hier anmeldet und ein zweistelliges Budget hat und nach Rat sucht, dann bleibt fast nur eines der billig gemachten Herder übrig, sonst könnte er ja beliebig nehmen was so gefällt, ohne in einem Fachforum anzufragen, weil alle anderen Hersteller zwar hübscher und wertiger erscheinen, aber alle +/- gleich schwer schneiden. Da noch eher ein Burgvogel als eine Güde, aber auch hier eine Lotterie bei der Bestellung, wenn man nicht persönlich überprüft ob es ein halbwegs passabel schneidendes Messer ist.

Wer aber von einem gut schneidenden Herder auf ein gut schneidendes japanisches Messer umsteigt, der wird bei richtiger Wahl, das ankleben und ansaugen an der flachen Klinge auch weitgehend loswerden und dann öffnet sich erneut ein neuer Horizont, was leichtes schneiden betrifft. Final wird es dann ohnehin ein Messer werden, dass viele gewünschte Eigenschaften vereint, wenn man dem Thema mal verfallen ist. ;)

Der Preis wird dann eher zur Nebensache. :hehe:

Gruß, güNef
 

Bukowski

Mitglied
Ich finde, es gibt keine ästhetischere aktuelle europäische Serienmesser-Linie als die Herder 1922. Nur mal so.

Die Kritik an der Ästhetik ist ungefähr so sachdienlich wie die über die "ausgewürfelten" Preise. Wenn meine Messer rund um die Uhr ausverkauft wären, würde ich auch die Preise erhöhen. Weil die offensichtlich zu niedrig sind. Und ehrlicherweise ist das Preis-Portfolio bei Herder breit gefächert.

Der eine kauft für 150€ ein CNC-gefrästes Ganzstahlsteakmesser aus limitierter Auflage, weil es einfach cool aussieht, der andere ein Kochmesser(-Set). So what.
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Ich finde, es gibt keine ästhetischere aktuelle europäische Serienmesser-Linie als die Herder 1922.

Sehe ich auch so :) ...

DSC08497 b-2.jpg


R'n'R
 

Bukowski

Mitglied
Wer aber von einem gut schneidenden Herder auf ein gut schneidendes japanisches Messer umsteigt
Ich würd ja den Schritt über Japan gleich überspringen, wenn ich sehe, zu welchen Kursen unsere hiesigen (teilweise nebenberuflichen) Messermacher bspw. ausgefeilte Hohlkehlen- oder konvexe Geometrien zur Optimierung der Schnittgutfreisetzung bei gleichzeitig möglichst leichtem Schnitt anbieten :D Aber da ist das Angebot dann auch wieder der limitierende Faktor.
 

ScottyC

Mitglied
Hallo pebe,

das "ansprechend" ist understatement pur :D::
Dieses Messer ist wunderschön; danke für das Bild!!!

Viele Grüße
Rainer
 

güNef

Premium Mitglied
Servus,

Ich würd ja den Schritt über Japan gleich überspringen, wenn ich sehe, zu welchen Kursen unsere hiesigen (teilweise nebenberuflichen) Messermacher bspw. ausgefeilte Hohlkehlen- oder konvexe Geometrien zur Optimierung der Schnittgutfreisetzung bei gleichzeitig möglichst leichtem Schnitt anbieten

mit meinem heutigen Wissensstand und meinen Wurzeln in der Kochmessergemeinde, würde ich das genau so machen, obwohl ab und an Japaner aufblitzen, die rundum verdammt gut gemacht sind und wenn der begabte Schmied noch am Anfang steht, auch preiswert sind. Dann folgt üblicherweise ein Hype und die Preise gehen durch Decke und die Folge ist eine Empfehlung weniger. :mad::

Die jungen, begabten und mutigen Messermacher die wie haben, tja, wie willst du die empfehlen, wenn es einem Glücksspiel gleicht an eine Messer von denen ranzukommen. Siehe Simon Herde, in Sekunden alles weg. Empfehlungen mache ich nur, wenn es ein bestehendes Angebot gibt und der ratsuchende auch gleich kaufen kann, ansonsten machts ja keinen Sinn.

Erst wenn man in die Kochmessergemeinde eingesickert ist und vielleicht selbst fester Bestand darin wird, dann kommt man viel eher an die argen Messer ran, die dem durchschnittlich ratsuchenden vielleicht sogar überfordern würden. ;)

Gruß, güNef
 

pebe

Premium Mitglied
Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster.

Bis man soweit ist, dass man sinnvoll detailierteste Vorgaben inkl. Stahlauswahl mit Härtegrad, Klingenhöhe, Verlauf der Verschlankung etc., abgestimmt auf die persönlichen Anforderungen vorgeben kann, braucht‘s sehr viel. Viel Messer, viel Zeit, viel Geld, viel Interesse und ganz viel Hingabe.

Alle anderen nehmen bis dorthin eine ordentliche Basis, lassen die Klinge schanzen und den Griff „optimieren“. Hier mal ein Entwurf für ein Zwilling Euro Essential mit Mooreiche und Kupfer.

grüsse, pebe

3842616A-56F0-4A4E-93BB-6ECAF2E98745.jpeg